Medienmündigkeit

Immer einmal wieder tauchen altbekannte Vorurteile auf, dass Waldorfschulen z.B. keine Medien wie den Computer einsetzen würden und Fernsehen verboten sei, ja sogar, dass eine durch und durch medienfeindliche Gesinnung vorherrschen würde. Dieses Missverständnis mag dem waldorfpädagogischen Ansatz geschuldet sein, dass spätere Medienmündigkeit in früher Medienabstinenz wurzelt.

Bei dieser vermeintlichen "Bewahrpädagogik" geht es in der Realität ausschließlich darum, bis zur Schulreife zunächst die gesunde Entwicklung der leiblichen und seelischen Kräfte der Kinder zu "ermöglichen" und diese in den ersten Schuljahren als Grundlage einer späteren Medienmündigkeit [1] dann weiter zu stärken. Getreu dem Motto "mit allen Sinnen Kind sein" dienen vielfältige und differenzierte Sinneserfahrungen dabei dem Selbsterleben und dem Ausbilden des Körpers als Instrument des eigenen Willens.

Daran knüpft die Klassenlehrerzeit in der Unterstufe unmittelbar an, wie der gleichnamige Artikel in der Publikation "Struwwelpeter 2.0 – Medienmündigkeit und Waldorfpädagogik" darlegt. Der 40 Seiten umfassende Reader befasst sich außerdem damit, was der Medienwandel für die tägliche Unterrichtspraxis bedeutet und behandelt Fragen nach dem sinnvollen und kreativen (elektronischen) Medieneinsatz im Schulalltag und dem jeweils richtigen Zeitpunkt für die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Medienträgern. Es geht auch um die Fähigkeiten, auf die es bei der Mediennutzung ankommt und um das Verhältnis der neuen Herausforderungen zu bewährten Waldorftraditionen.

Der Reader stellt also ein vollständiges Medienkonzept für die gesamte Schulzeit dar und die Inhalte zeigen, dass die Waldorfpädagogik entscheidende Gesichtspunkte zu einer entwicklungsorientierten Medienpädagogik beitragen kann, die als Grundlage einer Medienmündigkeit im Erwachsenenalter zu sehen ist.

Außerdem weist der Reader "Struwwelpeter 2.1 – Ein Leitfaden für Eltern durch den Medien-Dschungel" allen interessierten Eltern einen Weg durch besagten Dschungel und geht dabei explizit auf die verschiedenen Altersstufen der Heranwachsenden mit ihren jeweils unterschiedlichen Bedürfnissen ein.

Wer dieses Thema noch weiter vertiefen möchte, kann sich jetzt auch das Buch "Gesund Aufwachsen in der digitalen Medienwelt" bei diagnose:media im Onlineshop bestellen, es gibt sogar Sonderkonditionen für Waldorfeinrichtungen.

Celia Schönstedt

  1. Den Begriff prägte die heutige Professorin der Alanus Hochschule, Paula Bleckmann, mit ihrem Buch "Medienmündig – Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen" aus dem Jahr 2012, jetzt in 5. Auflage im Verlag Klett-Cotta erschienen. Im Juni 2016 hat Bleckmann auch für eine öffentliche Diskussion im Bundestag zur Vorstellung des TAB-Gutachtens einen Beitrag verfasst, der u.a. politsche Forderungen zur Medienerziehung enthält.

Kontakt:

Thorsten Feles, Beauftragter für Medienpädagogik beim Bund der Freien Waldorfschulen

Zur Zeit läuft auf EU-Ebene noch die Petition "Für ein Recht auf bildschirmfreie Kitas, Kindergärten und Grundschulen", die weiterhin zahlreiche Unterschriften benötigt.


Quelle: Bund der Freien Waldorfschulen - Logo Bund der Freien Waldorfschulen - www.waldorfschule.de

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