Waldorfpädagogik und Inklusion

Blickpunkt 8

Waldorfpädagogik und Inklusion

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650 Millionen Menschen, ca. 10 Prozent der Weltbevölkerung, sind körperlich oder geistig behindert. Sie stellen demnach die „größte Minderheit“ der Weltbevölkerung dar. Mit der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist deren gesellschaftliche Teilhabe in allen Staaten der Erde auf die Tagesordnung gesetzt worden.

Die UN-Konvention fordert auch die Waldorfpädagogik heraus, Stellung zu beziehen. Durch die angestrebte Verwirklichung des Inklusionsgedankens wird diese auf ihre eigenen Wurzeln verwiesen, da sie ihrem Selbstverständnis nach eine Pädagogik für jedes Kind sein will. Die Waldorfpädagogik beinhaltet also ein ursprüngliches Inklusionspotential, das aber erst noch vollständig erschlossen werden muss. Der Arbeitskreis Inklusion des Bundes der Freien Waldorfschulen, des Verbandes für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit und der Vereinigung der Waldorfkindergärten hat dazu eine offizielle Erklärung verfasst.

Was ist Inklusion und warum ist sie notwendig?

Inklusion geht von der Besonderheit und den individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes aus. Die integrative Pädagogik dagegen strebt die Eingliederung der zuvor ausgegrenzten Kinder mit Behinderungen an, da sie zwischen Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf unterscheidet.

Insofern stellt die Pädagogik der Inklusion einen Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe dar. Sie erhebt den Anspruch, eine Antwort auf die komplette Vielfalt aller Kinder zu sein. Und sie tritt ein für das Recht aller Schüler und Schülerinnen, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen und ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft miteinander und voneinander zu lernen.

Die Idee der Inklusion beinhaltet sehr weitreichende gesellschafts- und sozialpolitische Implikationen. Denn die Art und Weise, wie gesellschaftlich auf Behinderung geblickt wird, ist für Menschen mit Behinderungen von entscheidender Bedeutung. Stand früher eine Betrachtung im Vordergrund, die Behinderung als „Defekt“ ansah, der nach Möglichkeit durch „Reparatur“ oder Therapie zu beseitigen war, so hat sich der Blick in den vergangenen Jahren radikal verändert. Behinderung wird nun zunehmend als Soseins-Form, als individuelle Variation des Menschseins gesehen. Folgerichtig fragt man danach, welchen Beitrag zur Vielfalt der Gesellschaft Menschen mit Behinderungen durch ihre je individuellen Lebenserfahrungen und ihr Welterleben leisten können. Dieser Beitrag findet zunehmend Wertschätzung, denn die Menschheit wäre ärmer ohne ihn! Aus diesem Grund sehen die Organisationen der Behindertenhilfe auch die pränatale Diagnostik kritisch: Sie bleibt bei der defektorientierten Sichtweise stehen. Dann würde es aber irgendwann zum Beispiel keine Menschen mit Down Syndrom mehr geben und ihre besonderen Eigenschaften kämen der Gesellschaft nicht mehr zugute.

Leitfaden Inklusion

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Quelle: Bund der Freien Waldorfschulen - Logo Bund der Freien Waldorfschulen - www.waldorfschule.de

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