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Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg e.V.
- im Bund der Freien Waldorfschulen Deutschland e.V.

Schulleben

Aus dem Schulleben

La Faba

Ein historisches Objekt wird saniert

Von Sabinbe Kallenberger und Ulrich Seifert

La Faba (zu deutsch: die Bohne) ist das letzte Pfarrdorf auf dem Boden des ehemaligen Königreiches León am nordspanischen Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela. Es ist ein uraltes Bergdorf mit nicht einmal 20 Einwohnern und liegt unweit der galizischen Grenze am Aufgang zum Cebreiro, dem geschichtsträchtigsten aller Pilgerpässe. Wie viele abgelegene spanische Ortschaften drohte dem Ort der Untergang durch Abwanderung und Aussterben seiner letzten Bewohner.

Diese Entwicklung erfuhr vor wenigen Jahren eine Wendung, als auf Initiative des Stuttgarter Jakobspilgers Manfred Hartmann und des von ihm gegründeten gemeinnützigen Vereins VLTREIA mit deutschen Spendengeldern an der Stelle des alten Pfarrhauses eine internationale Begegnungsstätte und Herberge für durchziehende Jakobspilger errichtet wurde. Im Anschluss daran wurde die benachbarte, in ihren Ursprüngen romanische Sankt Andreaskirche renoviert. Heutige Besucher treffen auf ein mittelalterlich anmutendes bauliches Gesamtensemble, bestehend aus Kirche, Herberge und Umfassungsmauer, die sich um eine von Herzogin Diana von Württemberg anlässlich der Kirchenneuweihe geschaffene Bronzefigur eines Jakobspilgers gruppieren. Empfindsame Zeitgenossen sprechen diesem Fleckchen Erde, das etwas abgesetzt vom Dorf auf einem Bergsporn umgeben von einer eindrucksvollen Gebirgslandschaft auf 900 Meter Meereshöhe liegt, eine geradezu spirituelle Ausstrahlung zu.

Das Projekt

Zwölf Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 10 und 11 der Freien Waldorfschule auf den Fildern sind mit zwei Lehrern und deren Ehefrauen bereit, in den Herbstferien einen freiwilligen intensiven Arbeitseinsatz in La Faba zu leisten. Dabei ist in erster Linie an Verschönerungsarbeiten bei den Außenanlagen von Herberge und Kirche gedacht. Die fachkundige Betreuung erfolgt durch einen mit der Materie vertrauten und handwerklich versierten deutschen Sozialarbeiter vor Ort und den mitreisenden Werklehrer.

In der Freizeit werden Ausflugsziele wie zum Beispiel das Weltkulturerbe «Las Medulas» (ehemalige römische Goldminen) oder die Templerburg von Ponferrada besucht.

Durchführung

Zwei Wochen La Faba brachten vielfältige Erfahrungen und Erlebnisse für alle Beteiligten. Die Schüler erlernten bei den Renovierungsarbeiten manche handwerkliche Fertigkeit. Das zum Teil widrige Wetter mit Temperaturen um den Nullpunkt und heftigem Regen brachte den Terminplan in Gefahr und forderte Arbeitseinsätze unter härtesten Bauarbeiterbedingungen. Die in Arbeitsgruppen aufgeteilten Schüler übten sich in Teamarbeit. Sie arbeiteten jeweils eigenverantwortlich für die ihnen zugeteilten Projekte.

Insgesamt wurden etwa zehn Tonnen Sand und Kies, 45 Säcke Zement, zwei große Anhänger von Hand eingeladene Muttererde und unzählige Farbdosen verarbeitet. Viele Kubikmeter Erde wurden beim Ausheben der Fundamente bewegt.

Das Resultat

Nach zehn Tagen Arbeit waren ein völlig neu gestaltetes Außengelände, eine schön angelegte Liegewiese und etliche Sitzgelegenheiten für die Pilger zu bestaunen. Der Keller wurde ausgebaut und für die gründlich gereinigte Kirche ein kunstvoller Opferstock aus einem Kastanienstamm angefertigt. Insgesamt leisteten man ca. 840 Arbeitsstunden ab.

Soziale Erfahrungen

Es ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten für menschliche Begegnungen untereinander und mit den ankommenden Pilgern. Wann kommen Schüler diesen Alters schon mit pensionierten Seemännern oder Unternehmern, die gerade ihren Betrieb verkauft haben und nun den Camino gehen, zusammen? Man konnte an vielen Biografien aus der ganzen Welt teilhaben. So lernte man mit mittellosen Pilgern, deren Hygiene zu wünschen übrig ließ, zu kommunizieren. Alle schliefen sie in einem Saal und mussten sich ertragen. Nicht nur für Schüler diesen Alters wurden hier Einblicke in Lebenssituationen gegeben, die den eigenen Horizont erweitern.

Das Freizeitprogramm, Ausflüge nach Las Medulas und Santiago de Compostela, rundete diese Herbstwochen zu einem, wie die Schüler feststellten, unvergesslichen Erlebnis ab. Die Begleiter nahmen engagierte junge Menschen wahr, die Verantwortung für das Projekt übernahmen. Freudig und zufrieden wurde der Teamgeist durch das Projekt La Faba erfahren und die Sozialkompetenz aller gesteigert.

Danksagung

Insgesamt erhielten die Organisatoren 5000 € an Spenden für das Projekt. Die Summe lag etwas unter den Planzahlen und ermöglichte keine Reduzierung des Selbstkostenbeitrages von 200 €/pro Schüler. Es gelang jedoch durch den Verzicht die Unterdeckung auszugleichen.


Radioprojekt

Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) hatte seine Jahrestagung 2008 zum ersten Mal an einer Schule stattfinden lassen. Tagungort war die Freie Waldorfschule Engelberg. Im Zentrum der Tagesordnung stand die Bildungspolitik. Gastreferent war Daniel Dettling, Politikberater aus Berlin. Der Tagungsort Schule war Grund genug, auch Schüler in die Gestaltung einzubinden.

In Zusammenarbeit zwischen einer Schülergruppe und dem DPWV wurde ein Radioprojekt organisiert. Zwei Tage im Vorfeld der Tagung arbeitete ein Fachmann mit Jungredakteuren zusammen. Diese wurden angeleitet, damit sie selbständig Interviews führen konnten. Auch galt es, Sende- und Schnitttechniken zu erlernen. Mit großem Eifer waren die neuen Hörfunk-Redakteure bei der Sache.

Wie die Schüler ihre Aufgabe gelöst haben, können Sie hier hören. Die Beiträge werden am 20. September 2008 beim Hochschulradio Stuttgart (HoRadS) über den Äther geschickt.


Umfrage: Woran erkennt man einen gebildeten Menschen? Teil 1 (MP3-Datei)

Umfrage: Woran erkennt man einen gebildeten Menschen? Teil 2 (MP3-Datei)

Interview mit Daniel Dettling (MP3-Datei)



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